mein Glaube

Ich bin so fest davon überzeugt, daß es ihm gut geht. Ich habe schon so oft geschrieben, daß er glücklich ist, daß es ihm an nichts fehlt. Meine Vorstellungen sind ziemlich klar, ich bin zu tiefst von diesem Glauben überzeugt, kein Kritiker kann mich umstimmen. Machmal glaube ich, ich bin seinen Erlebnissen so nah, weil ich ihm so nah war, und wahrscheinlich auf eine besondere Weise auch noch bin.

Ich habe so meine Vorstellungen, von seiner “jetztigen Existenz”:
Im Moment seines Todes war er sehr sehr glücklich. Er war am Weg zu seinen Freunden, mit seiner Mama hatte er am Abend noch im Garten gesessen, er wußte daß ich noch anrufen werde und war so stolz auf “seine” Wohnung. (“der Papa wird schauen, wenn er heim kommt, wie weit wir schon sind” hat er mir noch gesagt) Er war also in den letzten Sekunden rundum zufrieden.

Ich weiß nicht, ob der sofort tot war oder nicht. Ich glaube er ist auf der Stelle tot gewesen, meiner Meinung nach war er  sofot nach dem Aufprall tot. Auf jeden Fall hatte er nicht zu leiden.

In meiner Vorstellung ist er dann aus seinem Körper heraus gegangen, hat sich etwas oberhalb des Geschehens “gestellt” und all seine Freunde gesehen. Wie sie alle in seinen letzten Sekunden bei ihm waren, wie sie noch um ihn gekämpft haben. An dieser Stelle möchte ich all denen, die dabei waren, viel Kraft wünschen, daß sie mit diesen Bildern fertig werden. Ich hoffe meine Zeilen können auch Euch ein wenig helfen.
Ich weiß nicht genau, ob es ihm leid tat, sie alle so leiden zu sehen, ich weiß auch nicht, ob er noch einmal an mich gedacht hat. Ich habe von einer Nahtoderfahung gelesen, wo der Betroffene kurz vor seinem “klinischen” Tod noch einmal das Gesicht seiner Frau gesehen hat. Es wäre schön, wenn er noch ein Lächeln von mir bekommen hätte.

Dann kamen ihm sicher seine Großeltern, vielleicht sogar mit seinem Hund, den er so gerne hatte, entgegen. (Wir haben oft gesagt, daß wir uns einen Hund kaufen werden, wenn Zeit und Platz da ist) Vielleicht noch andere Verstorbene, an die ich hier gar nicht denke, oder gar nichts von ihnen weiß.

Er hat sicher das Licht gesehen, das so liebevoll und so warm ist, daß man sich gar nicht abwenden möchte. Ich bin so fest davon überzeugt, daß er dort so viel spürt, so intensiv, so klar, mit Worten nicht zu beschreiben.

Manchmal glaube ich, daß es vielleicht in letzter Konsequenz seine Entscheidung war, nicht umzukehren. Er wußte vielleicht, daß er nicht so zurück kommen kann, wie er uns verlassen hat. Vielleicht wäre er körperlich oder geistig behindert gewesen, und er hätte nicht gewollt, daß er für irgend jemand eine Belastung ist, oder daß er auf ständige Hilfe angewiesen ist.

Er hat dann auch sein Leben noch einmal durchgemacht. Seine Kindheit, seine Jugend, und die Anfänge seines Erwachsenseins. Die Bilder werden ihn noch mehr glücklich gemacht haben. All seine Freunde, seine Famile, seine Freundinnen, seine Autos, seine Motorräder, seine Ausbildung, alles durfte er noch einmal sehen. Ich glaube das geht unheimlich schnell, aber da die Gedanken viel klarer sind, reichen wenige Augenblicke für das ganze Leben. Es ist so schwer, all das mit so unzureichenden Worten zu beschreiben. Und es tut mir so weh, daß nur ein so kurzer, letzter Teil seines “Lebens-Films” der Zeit mit mir gehören, es waren viel zu wenige Monate, die uns verbunden haben.

Und jetzt, jetzt ist er allgegenwertig. Er kann bei seiner Familie in Breitenfurt,  bei seiner Schwester in Wien, seinen Freunden, bei mir.... egal, er kann überall und bei allen gleichzeitig sein. Ich weiß nicht warum ich so fest daran glaube, aber es hilft mir unheimlich.

Ich weiß daß er mit mir nicht in Verbindung treten kann, bzw. er will es gar nicht, denn er kennt ja den Sinn. Er weiß was hinter allem stecken. Er kennt meinen Weg, er weiß warum ich das druchmachen muß. Es ist einfach so, daß die Verstorbenen keinen für uns begreifbaren Kontakt zu uns aufnehmen können. Was sie aber meiner Meinung nach schon können, ist uns leiten, und in unserem Handeln beeinflussen. Nur wir merken es nicht, wir verstehen es nicht. Diese Vorstellung hat auch meine Einstellung zum Leben verändert. Ich lasse alles vielmehr auf mich zukommen, es wird sich schon alles richtig ergeben. Sicher höre ich nicht ganz auf zu planen, aber diese Erfahrung hat mir gezeigt, daß man nicht viel planen muß, denn die schönsten Pläne die ich hatte wurden mit einem Mal zersört.