danach

Die Zeit danach ist sehr schwer zu beschreiben. Ich weiß noch alles ziemlich genau, der Abend, der Anruf, die Nächte, das Begrebnis, und dennoch ist es, als ob es nicht mir passiert wäre. Man steh so neben sich. Es ändert sich mit einem Schlag alles, jeder Plan, jede Zukunfsfreude ist ausgelöscht. Mit ihm ist so viel in mir gestorben.                                         

Manche werden gar keine Veränderung an mir feststellen. Ich kann nach außen hin glaub ich recht “normal “ wirken. Aber in mir sieht es völlig anders aus....

17.7.01
Gestern waren es 2 Monate. Die zeit vergeht irgendwie so schnell, aber es kommt mir nicht so lange vor daß er weg ist. Naja, irgendwie schon, aber es ist als ob er nur für eine gewissen Zeit weg wäre. Es ist so schwer zu beschreiben. Ich arbeite jeden Tag und das kostet viel Kraft. Manchmal habe ich angst dass manche glauben könnten ich wäre schon darüber hinweg, weil ich ja so unbeschwert wirke, aber das stimmt nicht. Ich vermisse ihn jede Sekunden, es ist ununterbrochen dieser schwere Stein in mir, der mich ständig drückt. Ich höre viel und gerne andern zu, die gerade Probleme haben, und das mache ich auch sehr gerne. Nur ab und zu denke ich mir daß es so kleine Probleme sind, aber noch vor 2 Monaten hatte ich auch keinen Vergleich. So etwas kann man nicht verstehen, wenn man das nicht selber erlebt hat. Ich merke richtig, wie leer mein Kopf ist. Ich bin sehr kaputt innerlich. Ich glaube ich brauche bald mal Erholung, aber ich habe Angst vor der Ruhe. Dann tut es immer so wahnsinnig weh, so ohne Halt. Die Kinderarbeit ist so wundervoll. Kinder sind etwas so liebes (manche jedenfalls). Was ich zur Zeit auch stark mache, ist viel mit Gerald zu “reden” in meinem Kopf rede ich mit ihm. Manchmal ist es mir, daß ich sogar weiß was er sagen würde, vielleicht kann er das ja auch jetzt irgendwie.... ist ja auch egal, haupsache ich glaube daran.
Die Zusammenbrüche sind furchtbar, es genügen oft ganz kleine Dinge und mein randvolles Fass läuft über. Dann will ich nicht mehr leben, einfach aufhören und dahin gehen wo Gerald auch ist. Aber das darf ich nicht. Den Mut hätte ich eh nicht dazu. Meine Eltern würden das nicht verkraften.... alle andern sicher schon, .... aber nicht meine Eltern. Und schließlich hat ja alles einen Sinn, und das weiß ich von Gerald, der mich in meinem Handeln so beeinflußt, daß mich eben nicht umbringe. Ich werde ihn wieder sehen, er weiß schon wann, und mit jedem Tag komme ich diesem Wiedersehen näher!

20.07.01
Ich habe mir gerade überlegt, als ich mir schon zum hundersten Mal die Seiten auf Geralds Homepage durchgelesen haben, daß ich in einiger Zeit Freunde von ihm bitten werde, auch einige Sätze zu schreiben. Ich hab keine Ahnung wie sie reagieren werden, einige von ihnen hab ich seit dem unfall gar nicht gesehen oder gehört, einige nur Gehört. Schippi, Gerald engster Freund, ist auch mir sehr wichtig, und er ist auch der einzige, zu dem ich regelmäßig Kontakt habe. Gestern war ich mit einigen im Kino, aber gesprochen hab ich wieder nur mit Schippi. Eh klar, daß es schwer ist, das wird schon werden. Mich würde es wirklich freuen, wenn einige Freunde ... jeder bekommt natürlich eine eigene Seite, die er gestalten kann wie er will. Jetzt lasse ich den August noch verstreichen, mal sehen wie ich selber dazu komme. Ich habe mich schon wieder für 2 Wochenenden zum Arbeiten angemeldet... nur nicht zur Ruhe kommen. Es ist eine sehr komische Zeit momentan. Rund um mich gehen Beziehungen in die Brüche, das Wetter ist furchtbar, und ich beschäftige mich so weinig mit mir selber wie noch nie. Ich kann es auch gar nicht. Bisher habe ich mich immer bis ins Detail analysiert, aber jetzt, es ist als ob mein inneres weggesperrt wäre. Daher kann ich auch lustig und unbeschwert wirken, weil mein Innerstes zur Zeit auch nicht raus kann. Aber wie ich schon mal geschrieben habe... es gibt keine falsche Trauerbewältigung. Wenn ich jetzt verdränge und mich etwas überlaste, dann wird das einen Grund haben. Alles sehr komisch zur Zeit!

25.07.01
Es ist so komisch in mir drinnen. Ich habe gerade erst in mein Tagebuch geschrieben, daher wird es hier etwas weniger werden.
Ich bin jeden Tag arbeiten, die Arbeit am Wochenende ist wirklich toll, und es tut gut mit den Kindern zu arbeiten, und mit all den lieben Leuten etwas zu unternehmen. Aber ich erhole mich die ganze Woche nicht. Ich komme nicht zum Nachdenken, heute ist der erste Tag seit fast 4 Wochen, wo ich etwas Ruhe habe. Ich war am Wochenende tanzen, und es hat so gut getan, ich habe mich richtig wohl gefühlt. Aber dann kam das Lied von Puff Daddy, I’ll be missing you. Fast jedesmal wenn ich auf den Friedhof fahre höre ich es mir an. Plötzlich mußte ich weinen , so bitterlich, es kam aus so tief drinnen. Birgit und Chirstof haben mich fest gehalten, ich habe sonst nur 2 mal in den Armen anderer geweint: am 16.5. in Mamas, und am 25.5. in Papas. Kaum war das Lied aus war ich wieder die lustige Kathi. Vielleicht ist das normal. Vielleicht verdänge ich wirklich so stark, daß ich mein Inneres nicht mehr kenne. Ich konnt mich bisher immer perfekt analysieren, kannte jedes Gefühl, jeden Gedanke. Aber jetzt, ich kenne mich nicht mehr. Ich glaube ich habe irgendwo in mir einen Riegel vorgeschoben, und nur manchmal öffnet sich der ein bißchen. Aber meistens ist er fest zu.
Ich weiß nur, daß ich ihn von ganzem Herzen liebe. Er lebt neben mir, ich rede mit ihm, er ist da für mich. Ich versuche mich für ihn zu freuen, daß es ihm jetzt so gut geht. Es geht im bestimmt gut. Er ist viel glücklicher als man hier überhaupt sein kann. Und irgendwann, aus irgendeinem Grund, komme ich auch einmal dort hin. Wann weiß ich nicht, aber er weiß es. Er wußte immer schon viel mehr als ich, aber jetzt, er ist allwissend! Und er ist allgegenwärtig. Er ist bei mir, näher und intensiver als je zuvor! Er ist immer noch mein Partner, und das bis an mein Lebensende.

1.8.01
Endlich wieder mal komme ich zum Schreiben. Ich war gerade mit einer Freundin weg, alles ok, dann fahre ich seite langen wieder auf den Platz rauf, und weine. Es kommt aber gar nicht so schnell, es dauert immer bis ich mich traue. Er fehlt mir so sehr. So viele Beziehungen um mich herum gehen kaputt, und ich wäre so froh wenn er da wäre und mit mir Schluß machen könnte. ich wäre auch traurig, aber er wäre noch am Leben, ich könnte ihn ansehen, mit ihm reden.
Jeden Tag an dem ich ein kurzes Nachdenken zulasse merke ich, wie wundervoll die Beziehung war. Es gab nur 2 mal Streit, und wenn ich an die Versöhnung denke, dann ware sogar das wert. So viele gleiche interessen. Warum hat das so kurz vor unserem Urlaub passieren müssen? Wir haben uns beide so sehr darauf gefreut.
ich bin so durcheinander wenn ich versuche darüber nach zu denken. Reden tu ich eh kaum mit jemanden, außer mit seiner mama. Ich kann mir nicht vorstellen wie seine Eltern das schaffen.
ich merke wie ich sogar in mir abblocke. Ich versuche es zu verdrängen. Mag schon sein, daß die Bombe irgendwann platz, aber ich muß so damit umgehen, wie es mir mein Körper sagt. Heute hab ich mir wieder gedacht, daß ich gar nicht hier sein will. Wozu auch? Wenn ich doch diese feste Vorstellung habe, daß es dort wo er ist ohnehin viel schöner ist als hier, warum folge ich ihm nicht? Ma & Pa, das ist der Grund. Und der fehlende Mut. diese wenigen Schritte die ich hier auf Erden noch machen muß, bis ich endlich zu ihm komme, das kann doch nicht so viel sein. Im Vergleich zur Ewigkeit meine ich
Ich würde ihn so gerne nach dem Sinn fragen. Er weiß es sicher.
Manchmal komme ich mir so ungeliebt vor. So als ob er mich verlassen hätte und mich nicht mehr lieben würde. Dann muß ich mir immer wieder sagen, daß er mich immer noch liebt und immer noch für mich da ist. Das ist dann ein sehr komisches Gefühl.
Erst letzte Woche hat ein Freund alte Fotos mit gebracht, von einem Fest im Februar, und da war er oben. Auf einem nur seine Hand, und ich habe diese Hände so geliebt. Ich habe oft gesagt, er soll sie sich abschneiden und mir mitgeben, damit ich sie immer habe, denn so wie die mich berührt haben... unglaublich. ich weiß noch daß ich immer im Kino, kurz bevor der Film losging einen Kuß wollte, und jedesmal durchfuhr mich der wie ein Blitz. So wie alle immer vom ersten Kuß sagen, aber ich hatte das jedesmal im Kino. Und seine Hände, so stark, und doch konnte er so gefühlvoll mit ihnen umgehen. Beim Fernsehen hab ich mich oft auf seinen Bauch gelegt, und er hat mich gestreichelt. Ich konnte nie genug bekommen von seinen Berührungen.
Ein so wundervoller Mann, in einer so perfekten Beziehung.. es hat nicht sollen sein. Und den Grund dafür kennt nur er, und “one night morning, when this life is over, I’ll see your face again!!!” und diesen Tag kann ich kaum erwarten. Die Liebe meines Lebens wieder zu treffen, dafür lebe ich!

29.09.01
Es ist schon sehr viel Zeit vergangen, seit ich das letzte Mal hier geschrieben habe. Einerseits liegt das daran, dass ich kaum Zeit für mich alleine habe, andererseits weil ich auch wenn ich mal Zeit und Ruhe habe an all die anderen Menschen aus dem Internet schreibe. ich habe schon viele kennen gelernt, und jeder hat eine schweres Schicksal hinter sich. In meinem Leben passieren so viele schöne Dinge, ich habe sehr viel Glück im Leben. Sei es mein Geburtstort, meine Eltern, meine Freunde, meine Arbeit,.... mir war immer bewusst dass ich ein wundervolles Leben habe. Aber jetzt, mit diesem wundervollen Glücksengel an meiner Seite, sind es all die Kleinigkeiten, die mich zufrieden machen. Gerald fehlt mir unendlich, in den letzten Tagen ist es wieder schlimmer geworden. Meine 3 Sommerjobs sind alle noch akutell, wenn auch etwas reduzierter, aber dafür komme die Uni wieder dazu. Daher komme ich nicht so viel zum Nachdenken. Aber es gibt schon Momente, plötzlich beim Autofahren, dann sticht es mich und es tut wieder ganz stark weh. Dann ist es eine Aussage von irgendwem, dann ist es wieder das Amerika Unglück, und manchmal nur eine Kleinigkeit. Dann ist es wieder ganz bewußt, ganz present, ganz schmerzhaft. Bald hat er Geburtstag. Ich habe Angst vor diesem Tag, was soll ich da nur machen? Feiern? Weinen? ... naja, ich muss das schaffen, so wie es viele vor mir auch schon geschafft haben. Normaler weise tut mir das schreiben gut aber nicht diesmal. Ich bin zu leer im Kopf, irgendwie aber auch zu durcheinander, so ganz eigenartig. Daher ist auch jeder Satz so abgehackt, so schwerfällig. Aber solche Phasen gehören wahrscheinlich auch dazu. Es werden noch viele Momente kommen, in denen ich mich selber nicht erkenne, nicht weiss wie ich auf mich und meine Gefühle reagieren soll. Aber auch wenn ich nichts weiss, ich weiss immer, in jeder Sekunde, dass ich den Gerald liebe. Ich werde mir nie im Leben etwas anderem sicherer sein. Ich liebe ihn, und das für immer!

3.10.01
Es ist wieder schlimmer geworden. Schippis Geburtstag, damit fing es an. Wahrscheinlich auch das düstere Wetter. Heute war ich wieder bei seiner Mama, und sie hat mir ein so liebes Kinderfoto von ihm gezeigt, dass sie beim Aufräumen gefunden hat. Ich wollte von Anfang an Fotos von ihm als Kind sehen, aber es kam nie dazu. Ich kann gar nicht begreifen, dass er nicht mehr da ist. Vor kurzen habe ich von ihm geträumt, wahrscheinlich mach ich das öfter, aber ich merke es mir nicht. ich habe geträumt dass wir zusammen im Auto unterwegs sind. Wir bleiben bei einer Tankstelle stehen. Als wir wieder zum Auto zurück gehen, legt er seinen Arm um mich. Ich greife mit beiden Händen um seinen Brustkorb und drücke ihn ganz fest. Ich sage ihm dass ich Angst habe, dass ich das Gefühl hätte ihn bald zu verlieren, aber gleichzeitig war ich so überglücklich, ihn zu spüren. Er hat es mir irgendwie bestätigt, aber er war so unbeschwert. Er hatte keine Angst. Auch wenn er wußte dass ich ihn verlieren werde, dass wir getrennt werden, er war ganz zufrieden. Ich hab mich echt wohl gefühlt im Traum, danach wars ... naja, nicht so toll.
Ich fange an mich nach seinen Berührungen zu sehnen. Es war immer schon da, dieses Bedürfnis, aber es wird stärker. Ich muss mir immer wieder sagen dass er da ist, dass er mich liebt, und dass es ihm gut geht. Seine Zufriedenheit ist das Wichtigste. All die kleinen und großen schönen Dinge in meinem leben kommen von ihm Jeder Schmetterling, der mich zum lächeln bringt, jedes fröhlich Kindergesicht, jeder wärmende Sonnenstrahl, all das schickt er mir. Ich muss es nur wahrnehmen, und ich muss es zu schätzen wissen!!

10.10.01
Ich treffe mich morgen mit einem Freund, der von dem Unfall noch nichts weiss. Ich habe mir immer schon Gespräche in meinem Kopf ausgemalt, wie sie vielleicht verlaufen könnten. So auch wegen dem morgigen. In Gedanken kam ich dann auch darauf, dass ich ihm von Gerald erzähle. Als ich mir meine Worte zurecht legte, mußte ich plötzlich weinen. Auf einmal war es, als ob ich es auch das erste Mal hören würde. Was ist nur los in mir drinnen? Verdränge ich es so stark, dass es nur bei starker Erinnerung wieder so weh tut. Jetzt habe ich den ganzen Nachmittag an der Fotoseite gebastelt, und all die Fotos von ihm habe ich ganz normal angesehen. Ohne Schmerz. Ich glaube es war eine Art Trance Zustand. Es war ein gewisser Drang dahinter. Es fertig zu machen, ohne Unterbrechung.
Ich habe schon seit Wochen die Nummer eines Psychologen, wo auch Geralds Eltern hingehen, aber ich schaffe es nicht dort anzurufen. Vielleicht würde es mir gut tun. Jetzt werde ich zu ihm fahren, 3 Tage vor seinem Geburtstag, seinem 25. Jahr, ein Viertel Jahrhundert. Den Geburtstag wollte er schon in seiner neuen Wohnung feiern. Ich kann es einfach nicht begreifen... warum nur?!

13.10.01
Heute ist es also so weit, der Tag vor dem ich so Angst hatte ist da. Auch wenn er schon fast vorbei ist...
Ich wollte 25 rote Rosen kaufen, habe aber keine bekommen. jetzt habe ich einen Herbststrauß genommen. Am Zuerst bin ich zu seinen Eltern gefahren. Schon verdammt schwer, wenn ich daran denke dass wir eigentlich für seinen Geburtstagsfest herrichten sollten. Seinen Wohnung wäre schon fertig gewesen, jetzt hätte er schon einige Bier an seiner erträumten Stehbar getrunken, die Musik würde spielen, meine Freunde und seine Freunde, alle gemeinsam... ein viertel Jahrhundert geört doch gefeiert... verdammt, es geht ja nicht.
Gestern nacht, um 0:01, überkam es mich. Ich mußte so bitterlich weinen. Ich wollte bei ihm sein, einen dicken Geburtstagskuss geben, ihn umarmen....
Ich muß gerade an voriges Jahr denken. Wir waren beim Murtinger, (Stammlokal) und es war echt lustig. Aber es hat nicht so lange gedauert wie sonst, wir sind zu ihm nach Hause gefahren, es war eine mondhelle Nacht. Wir haben uns eine Flasche Rotwein genommen und eine Regenjacke glaub ich, und sind bei ihm hinters Haus auf eine große Weidefläche gegangen. Es ging recht stark bergauf und ich habe ziemlich bald geschnauft. Dann haben wir uns ein paar Meter vor einen riesigen Baum auf die Regenjacke gesetzt. Wenn ich jetzt daran denke wird es warm in meinem kalten Herzen. Der Mond machte alles sehr sehr hell und es blies ein ganz leichter Wind, der so unheimlich warm war, dass wir es richtig lange dort ausgehalten haben. Er hat mir an diesem Anbend sehr viel erzählt. Er hat so viel geplaudert, ich weiß dass er es sehr genossen hat. ich hoffe so sehr dass ich ihm seine letzten Monate seines Lebens wertvoll gestaltet habe.
Ich kann nur von mir reden, aber es war nie harmonischer in meinem Leben. Er hat mich so gut verstanden, er hat mir immer zugehört, er hat immer versucht mich zu verstehen... was nicht immer so einfach ist.....er hat mich so sehr verwöhnt...  ich werde nie wieder jemanden so sehr lieben können wie ihn. Er ist immer noch mein Freund, ich zerbreche an den Schmerzen, aber ich mache weiter für ihn, und morgen geht es mir wieder besser, wenn sein Geburtstag ... allein dieses wort ist schon so schmerzhaft..... vorbei ist.
jetzt hat mich garade eine Freundin angerufen... es mögen ihr Probleme um vieles “schöner” sein als meine, aber sie sind akueller... und so gemein das klingt, aber sie lenken mich von meinem schwarzen Inneren ab..... ich schreibe wieder!

3.11.2001
Was ist das nur mit mir? So oft bin ich unbeschwert, so viele schöne Dinge passieren in meinem Leben. Aber jetzt... ein Film mit lauter Romantik und Liebe... da tut es plötzlich wieder so weh. Plötzlich ist es wieder präsent, plötzlich realisiere ich es wieder. Dabei kann ich noch nicht mal richtig weinen. Vorgestern war ich seit langen wiedermal auf meinem Platz. Eben der Platz wo wir uns das erste Mal geküßt haben. Ich stand da, versuchte genau die Stelle zu finden, auf der er mich zu sich gezogen hat, und spürte den kalten Wind in meinem Gesicht. Mir war kalt. Dann habe ich die Augen geschlossen, versucht mich um all die Monate zurück zu erinnern, an den 5. Mai 2000, und mir wurde warm. Ich habe mich fest auf ihn konzentriert, seine Arme um mich, seine starken Arme...
ist schon komisch das ganze. ich schreibe und schreibe, würde so gerne weinen, aber es geht nicht. Ich spüre die Tränen in meinem Hals, aber irgendwas in mir läßt sie nicht raus. Sein Foto auf meinem Schreibtisch ist so lebendig. Es kann doch nicht wirklich passiert sein. Das gibt es doch nicht dass er wirklich tot ist. Es war doch ein so schöner Tag. Er war so zurfrieden mit allem. Er wollte doch nur kurz auf ein Bier fahren. Eine Strecke die er schon tausende Male gefahren ist. Ich wollte ihn doch noch anrufen am Abend. Seine Stimme hören, ein Treffen für den nächsten Tag ausmachen. Aber er konnte nicht mehr an das Telefon gehen.
Ich glaube ich bin viel zu kaputt innerlich. Ich merke in solchen Momenten wie jetzt erst wie stark ich meine Schmerzen verdränge. Kann man das auf Dauer machen?
Jetzt sind sie da die Tränen. Sie rollen an meiner Wange hinunter, ich kann weinen!. Ich versuche an ihn zu denken, mit ihm zu reden. “Bist Du da? Geht es Dir eh gut?” ... und “ ja, Dir geht es gut. Du bist hier bei mir, Du umarmst mich, es geht! Du bringst mich zum Lächeln, Du machst mich stark”
Es hilft mit ihm zu “reden”. Manchmal scherze ich sogar mit ihm. Ich frage mich ob ich jemals ein normales Leben führen kann. Nicht für die anderen, für die habe ich mich ohnehin nicht geändert, aber für mich selber. Ob ich jemals ehrlich zu mir sein kann. Ohne dieser ständigen Verdrängung. Vielleicht finde ich jemanden, dem ich mich so öffnen kann.
Jetzt kommen meine Eltern... ich schreibe wieder!

16.12.2001
Weihnachtszeit, Adventsonntag, 7 Monate.... irgendwie ist das zu viel für mich. Ich weine fast nie, aber heute ist es mich einfach überkommen. Eine ruhige Minute in der Küche und es war vorbei. Gerald fehlt mir so. Ich vermisse ihn so sehr. Dieses Wochenende war es mir wiedermal sehr bewußt. Gestern hätte ich ihn beim heimfahern gebraucht. Den ganzen Abend ist er mir so sehr abgegangen. Ich komme mir so ungeliebt von ihm vor. So als ob er nicht nur weggegangen wäre, sondern auch mich verlassen hätte. Aber ich muß mir immer wieder sagen, dass das nicht stimmt. Er ist doch bei mir, oder? Er hat mich doch immer noch gern, oder? Es tut so weh keine Antworten darauf zu bekommen. Jetzt habe ich schon so viel ohne ihm überstanden, aber irgendwie kommt es erst jetzt so richtig raus. Es ist als ob ich mich jetzt mehr öffne. Aber dieses Öffnen tut so verdammt weh, es macht mir Angst. Ich werde jetzt duschen gehen, und dann noch was für die Uni machen. Bald habe ich auch Weihnachten und Silvester geschafft. Aber was ist dann?

Nochmal:
ich habe vorher so stark auf ein Zeichen gehofft, ich habe ihn angefleht mir einen Beweis für seine Existenz zu schicken, aber es kam nichts. Und jetzt, ich bin gerade fertig mit dem hochladen von dem was ich gerade vorher geschrieben habe, plötzlich ruft mich der Schippi an und fragt was für einen Namen ich für die Homepage haben möchte.
www.kathifuergerald.at ist hiermit bestellt. Vielleicht ist es Einbildung, vielleicht rede ich es mir ein, aber es ist doch nicht ganz normal, dass sein bester Freund und seinen Freundin in der selben Sekunde auf seiner Seite sind, d.h. das gleiche sehen im selben Moment in Gedanken bei ihm sind, oder was meinst Du Schippi!?

24.12.01
Seit einer Stunde ist Weihnachten. Ich wollte nur noch kurz was am PC machen, aber jetzt sitze ich schon so lange davor. Ich habe eine wundervolle Mail bekommen, in der ich sowohl die Liebe zu mir  als auch die Exsistenz von Gerald “bestätigt” bekommen habe. Genau das habe ich gebraucht. Ich war sehr leer in den letzten Tagen, immer wieder sehr sehr traurig und durcheinander. Es war schwer, denn einerseits habe ich es genossen, endlich wieder mehr zu mir zu finden, und andererseits war es auch so schmerzhaft.Es ist erschütternd, dass alles ist wie vor einem Jahr... fast alles!
Heute ist also Weihnachten, das Fest der Liebe! Aber meine große Liebe ist nicht da! Oder doch? Ich glaube schon dass er da ist. Dass er bei jedem den er gern hat neben dem Weihnachtsbaum steht, oder einfach nur bei einer Kerze sitzt und uns zusieht. Er ist da für uns, ganz besonders jetzt in dieser schweren Zeit.
Ich werde den Abend überstehen, ich habe meine Familie um mich. Und der feste Glaube, dass Gerald auch da ist, und dass es für ihn das aller schönste, liebevollste und hellste Weihnachten ist, hilft mir.
Der Glaube, dass es ihm so sehr gut geht, hilft mir zwar, aber er kann den Schmerz, dass ich ihn nicht umarmen darf nicht wirklich lindern. Gerald ich liebe Dich!

1.1.2002
So, jetzt ist Silvester auch vorbei! Ich bin irgendwie so durcheinander, so leer, so ganz ein komisches Drücken. Vielleicht ist es eine Art Depression, so als ob ich Angst hätte, oder aufgeregt wäre. Silvester war schwer, traurig und ich war so hilflos. Es waren eh alle da, Schippi ist sogar extra wegen mir zu unserem Fest gekommen. Es war schön zu Mitternacht in seinen Armen zu stehen. Es hat mir dann nur irgendwie leid getan, denn er musst mich trösten, dabei hätte er ebenso viel Trost gebraucht.
Es war ein ruhiger Silvester, und ich bin froh dass er nun vorbei ist. Aber ich bin so beschwert innerlich, dass es schwer ist, etwas zu fühlen, oder zu wissen was in mir vorgeht. Es hat mir aber der Abend wieder gezeigt, dass ich viele liebe Menschen in meiner Umgebung habe. Auch Geralds Eltern habe ich ab 0:10 versucht zu erreichen, bin aber dann erst um 0:30 druchgekommen. Es tut mir so unendlich leid für sie. Sie würden bestimmt alles dafür geben, das vergangene Jahr rückgängig zu machen. Auf eine gewisse Art ist der Jahreswechsel ein Abschluß. Wir sind nun nicht mehr in dem Jahr, an dem Gerald verunglückt ist. Es ist bereits vergangenes Jahr passiert. Ich hoffe diese dunkle Stimmung in mir vergeht bald wieder! Gerald mein Schatz, ich wünsche uns allen ein schönes neues Jahr!

24.2.2002
So lange habe ich jetzt schon nichts mehr geschrieben. Aber durch den Umzug, die Uni, die Schule... irgendwie kam ich nie dazu.
Seit 3 Wochen bin ich nun ausgezogen, meine eigene Wohung, meine eigenen 4 Wände. ich dachte immer ich würde dadurch viel Zeit haben um wieder zu mir selber zu finden, um endlich zu verstehen was in mir vorgeht, vielleicht auch endlich mit der Trauerarbeit zu beginnen. Aber ich komme nicht dazu. Ich bin ständig unterwegs, bin so oft es geht bei Geralds Eltern (die haben sich einen Hund gekauft.... und ich bin ganz verliebt in den hellen Labrator...!!!) und sonst bin ich arbeiten oder für die Uni unterwegs.
Ein riesen Problem für mich ist auch dass ich in der neuen Wohung noch kein Internet habe. Mir fehlt es so sehr, am Abend noch Mails zu schreiben, diese seite zu aktuallisieren, die Briefe an Gerald zu schreiben. Ich kann jetzt immer nur bei meinen Eltern und in der Arbeit meine Mails lesen, aber zum beantworten komme ich nicht wirklich.
Es ist so schwer für mich zu beschreiben was in mir vorgeht. Ich habe immer alles von mir gewusst, und bin oft lange im Bett gelegen und haben so lange überlegt, bis ich wusste was in mir vorgeht. Aber seit Geralds Unfall geht das nicht mehr.
Erst vor kurzen haben mir liebe Freundinnen gesagt dass ich mich im letzten Jahr sehr verändert habe. Viel selbstbewußter, viel mehr auf mich schauend. Das hat mich schon nachdenklich gemacht. Vielleicht weil ich mir denke dass mir eh nie wieder so etwas schlimmes passieren kann. Mir kann ohnehin nichts mehr so sehr weh tun. Vielleicht ist es die Gleichgültigkeit gegenüber meinem Leben. Nicht dass ich nicht gerne leben, aber wenn es vorbei wäre.... in der Beziehung hat sich meine Einstellung schon sehr verändert.
In der Zeit um Weihnachten kam es mir oft so vor, als ob Gerald ganz nah bei mir wäre. Ich konnte jeden Tag mit ihm reden, ich hab sogar mit ihm gescherzt. Aber seit ich ausgezogen bin, nein eigentlich mit dem Geburtstag seiner Mama, von da an ging das nicht mehr. Es ist als ob er jetzt weiter weg wäre. ich glaube ich erkläre mich manchmal selber für verrückt!
Mit Geralds Unfall hat sich so viel verändert. Ich merke oft wie sehr ich innerlich zerstört bin. Oft sind es nur Kleinigkeiten, die mich abstürzen lassen. Oft sind es einfache Bemerkungen, ein Wort, eine Geste, ein Bild, ein kleiner Misserfolg. Besonders in Bezug auf die Uni merke ich das. In der Zeit die ich gemeinsam mit Gerald verbracht habe, habe ich keine einzige Prüfung verhaut. Ich war so zufrieden mit allem, dass ich beim Lernen frei war und er hat mir immer genug Zeit dafür gegeben, hat meine Pankiattaken verstanden und mich aufgebaut. Aber jetzt, ich tu mir so schwer. Ich kann kaum eine Seite lernen, ohne dass ich an ihn denke, in Erinnerunge verfalle, Angst bekomme oder ähnliches. Aber ich bräuchte den Erfolg so sehr, ich brauche endlich wieder Motivation. Das nagt schon sehr an mir.
Jetzt kommt der Frühling und merke wie gut mir die Sonne tut. Ich hoffe dass jeder Sonnenstrahl von ihm kommt. Dass er mich so berühren kann. Vielleicht kann er das wirklich, und wenn nicht, dann tut mir dieser Gedanke dennoch gut.
Ich hoffe ich kann Geralds Eltern bald ins Internet “einführen”. Ich finde so viel Hilfe und Unterstützung und ich weiss dass es sehr vielen so geht. Es ist anonym, man kann sich austauschen, jeder kann einen verstehen, man wird nicht verurteilt, man kann immer und überall einsteigen und Hilfe bekommen. ich glaube es würde ihnen sehr sehr gut tun!
Ich werde jetzt versuchen wieder etwas zu lernen, wie heißt es so schön: das Leben muss weiter gehen!

27.2.2006:
Viele Monate, Wochen und noch viel mehr Tage sind vergangen! So vieles ist geschehen! ich kann gar nicht alles niederschreiben aber ich habe viele anfragen bekommen, wie es mir denn nach all der Zeit geht:

ich habe ein volles Trauerjahr durchlebt, ich denke mit allen Höhen und Tiefen die so ein Jahr mit sich bringt! Mir ist es auch in dieser zeit nicht gelungen, in den Armen oder vor anderen zu weinen! Ich war regelmäßig am Grab, hab immer wieder meine/unsere Plätze besucht und dort geweint! Bis heute ist das Grab immer noch der stillste und besinnlichste Ort der Welt für mich! Ich bin dort wie in einer anderen Welt, weit weg von dem alltäglichen. Es ist fast beruhigend.

ich habe mein Studium beendet, mich wieder frisch verliebt. Es waren viele schöne Moment und ich bin froh, dass ich nach dem Trauerjahr wieder jemanden an meiner Seite hatte. Anfangs habe ich schon ein wenig sorgen gehabt, dass es zu früh sei oder nicht richtig, aber ich denke Gerald hätte es bestimmt so gewollt!

Inzwischen ist wieder sehr viel passiert: ich habe einen neuen Job angefangen in dem ich voll aufgegangen bin! Es war spannend und toll zu gleich und durch die Anerkennung und Schmeichelein hat sich mein Selbstbewusstsein stark erhöht! Dort habe ich auch meinen jetzigen Freund kennen gelernt, mit dem ich nun schon seit über 1 Jahr zusammen bin! Es ist eine wundervolle und sehr offene Beziehung! Das schöne war dass wir von Anfang an über Gerald reden konnten. Wir haben vieles gemeinsam aufgearbeitet, er hat mir den Anstoß gegeben bei einer Psychologin prüfen zu lassen, wie sehr ich den Tod von Gerald verarbeitet habe oder wie sehr ich Dinge verdrängt habe! Ich bin im Moment wirklich ein sehr sehr glücklicher Mensch!

Was die „Beziehung“ zu Gerald betrifft: ich habe immer noch eine Verbundenheit zu ihm und denke sehr oft an ihn. Auch seine Familie ist mir sehr sehr wichtig und sooft es meine Zeit zulässt, treffe ich mich mit ihnen! Achja: Geralds Schwester Verena ist schwanger!!!!!!! Das ist wohl das größte Geschenk, welches Gerald seiner Familie machen konnte! Aber zurück zu Gerald: ich denke wirklich oft an ihn. Er ist wie ein guter Freund für mich, der mit mir über meine Gedanken verbunden ist. Dieser Gedanke ist sehr beruhigend und schön! Ich muss aber auch sagen dass es keine Liebe mehr ist, die ich für ihn empfinde! Ich … es ist so schwer zu beschreiben! Mein Herz gehört jetzt jemand anderem und ich bin einfach nur froh, Gerald gekannt zu haben! Viele werden es vielleicht nicht verstehen oder hart von mir finden, aber meine Gedanken an Gerald sind freundschaftlich-fröhlich! Ich denke mir dass es ihm sehr gut geht, dass er es sehr gut hat da wo er jetzt ist und ich spüre einfach, dass er glücklich ist! Wenn ich an ihn denke lächle ich auch meistens! Es ist ein ruhiges und ausgleichendes lächeln! Ich weiss nicht wieso ich gerade heute schreibe, aber ich denke dass es etwas mit meinem gestrigen Autounfall zu tun hat. Ich bin von der Straße abgekommen und im Graben gelandet! Zum Glück ist nichts passiert und ich hab niemanden mitgerissen… aber ich hatte sofort den Gedanken an meinen Schutzengel!

Es ist komisch hier erstmals zu schreiben, nachdem so viele Monate vergangen sind! Ich denke ich kann sagen dass ich den Tod von Gerald auf meine Art gut durchlebt habe. Es wird immer ein Bezug da sein, vor allem weil ich seine Eltern so gerne habe! Ich freu mich so sehr dass sie jetzt Großeltern werden, obwohl ich weiss dass sie dabei sicher gleichzeitig auch traurig sind, da sie von Gerald kein Enkerl bekommen können!

Der Tod ist schrecklich und ich traue mich zu sagen, dass es nichts Schlimmeres gibt, als sein eigenes Kind zu verlieren! Viele andere Dinge sind schrecklich und tun weh und ich weiss dass viele Menschen aus vielen verschiedenen Dingen trauern – völlig zu recht und niemand darf jemanden deswegen beurteilen- , aber mein aller tiefstes Mitleid gehört den Eltern! Ich bin stolz auf Anni und Sepp, wie sie die Situation meistern! Sie sind stark, ehrlich und herzlich und das finde ich wunderbar! Ich würde ihnen gerne helfen wenn ich könnte, den Schmerz wegnehmen und es ungeschehen machen, aber nichts davon geht!

Ich kann nur weiterhin allen traurigen und trauernden Menschen von Herzen wünschen, dass sie spüren wie gut es unseren Verstorbenen geht und dass sie es schaffen, diese Freude in sich zuzulassen, so dass der Verlust und der Schmerz wenigstens ab und zu leichter werden!

Mein Leben ist wunderschön und ich genieße jeden Tag davon! Meine Lebenseinstellung hat sich sicher auch verändert. Das Bewusstsein fürs Leben ist stärker geworden und die Liebe zum Leben intensiver! Mein Freund und ich wollen Kinder haben, Hausbauen und eine richtige Familie gründen! Die Dinge, die das Leben für mich Lebenswert machen! Und ich weiss dass ich einen Schutzengel habe! Ich sehe die Sonne, die Vögel, die Blumen… weiss dass es ein Leben nach dem Tod gibt!